Milena Oda

 

Der Mensch Milan Kundera: Als Zeitzeuge, Mitläufer und Schriftsteller, drei Kategorien.

In Tschechien wurde der Schriftsteller Milan Kundera immer zwiespältig beäugt. Am 13.10. 2008 stellte ihn in einem Artikel die Zeitschrift "Respekt" und das Prager Institut fürs Studium der autoritären Regime als Denunziant dar.

 

Wird mit Milan Kundera nach diesem Bericht mit Recht behandelt? Hat er richtig gehandelt? In dem Szenario sind aber insgesamt vier Hauptfiguren. Zum Fall: Dvoøáèek bat Iva Militká, seine damalige Bekannte oder Freundin seinen Koffer bei ihr, im Studentenwohnheim zu verstecken. Sie erzählte davon ihrem Freund Miroslav Dlask, der sowohl ein gewissenhafter Funktionär, als auch höchst wahrscheinlich eifersüchtig auf sie war. Er sagte es dem Vorgesetzten - Milan Kundera – weiter. Dvoøáèek als Spion wurde folglich zu 22 Jahren Haft verurteilt, von denen er dann 14 Jahre (meistens in den Arbeitslagern) verbüßte. Es gibt eine Theorie, bestätigt von einem Historiker, dass Herr Dvoøáèek von Militkas damaligem Freund und späteren Ehemann Miroslav Dlask denunziert sein könnte. Herr Dlask ist aber tot und erzählte nie davon seiner Frau, die lebenslang unter Depressionen wegen diesem Fall litt. 

Die jungen leidenschaftlichen, eifrigen Anti- und Kommunisten waren unprofessionelle und zu gewissenhafte, geblendete „Täter“ jeweiliger Idee gegenüber. Die Polizei war auf jede Nachricht so empfindlich, dass auch eine kleine Meldung oft zu schreckliche Konsequenzen hatte. Es entwickelte sich daraus eine politische Tat, weil Herr Dvoøáèek schon der Polizei als amerikanischer Agent bekannt war. Nun die Aufgabe des Historikers ist, die Vergangenheit in allen ihren Fassetten zu begreifen und aufzuklären.

Und die andere Frage stelle ich mir: Warum Milan Kundera so viele Jahre auf Distanz zu uns, zu Tschechen lebt. Er hat Recht darauf. Er muss sich nicht rechtferigen, er muss es nicht erklären. Schafft es aber ein scheuer Mensch, ein empfindlicher und empfindsamer Schriftsteller sich zu einem so großen Problem (persönlichen Trauma) auf der Weltbühne zu äußern? Die Welt wurde nun in einen Prozess einbezogen, der jahrelang als ein rein tschechisches Streitproblem Kundera gegenüber empfunden wurde .

Die Causa hat eine Diskussion ausgelöst, die fortgesetzt werden soll.

Das erste Telefongespräch mit Herrn Kundera nach der Bezichtigung von der Zeitschrift "Respekt" wurde öffentlich ausgestrahlt. Er war sehr schockiert, bestürzt über die plötzliche Bezichtigung, er war aufgeregt, dass ihn keiner vorher informierte, kein Gespräch mit ihm führte, was der Leiter der Forschung Herr Hradílek bestreitet, es wurde ein Fax, ein Brief an Herrn Kundera geschickt, weil er anders nicht kommuniziert.  Herr Milan Kundera wirkte auch sehr überzeugt von seiner Unschuld. Dank dieser Causa haben wir Herrn Kundera endlich mal auch live gehört.

Mehr unter: 

http://www.zeit.de/online/2008/46/milan-kundera?page=all

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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