Geschwister Edda und Albert leben in einem Zimmer mit einem einzigen Fenster.
I. AKT
Edda und Albert sitzen auf den Stühlen direkt vor dem Fenster, die meiste Zeit schaut er durch ein Fernglas.
Albert: Es gibt nichts Höheres als die Kunst… Nichts Größeres, Bedeutenderes kann man schaffen! Ohne große Kunst geht unser Leben nicht weiter, meine liebe Schwester, unser Denken ist fortgepflanzt durch große künstlerische Ideen und darauf sind wir stolz… Noch ein paar schöne Möbelstücke, Edda, und unser Zimmer wird voll und das Kunstwerk fertig sein. Im Leben muss man das Gefühl haben, dass man etwas letztendlich vollendet hat. Wir müssen uns offen sagen können, ob wir schwach oder stark sind für die Kunst… Pause. Edda, ich spüre in der Luft wieder einen großen Tag, vielleicht werden wir schon in einer Woche fertig sein und dann…
Edda: Immer wieder, das ganze Leben besteht nur aus diesen zwei Wörtern… Tagtäglich wiederholen wir und erfüllen wir diese kahle, klare und demütigende Wahrheit „immer wieder“. Wir tun immer dasselbe, alles wiederholt sich, ohne dass wir es bemerken…Ich spüre nichts!
Albert: Hör auf, keine Zeit für deine Ausgelassenheit…
Edda: Mir wird heute wieder sehr heiß!
Albert: Schon wieder, wie immer bist du frech. Du bist unverschämt wie dein Vater, er war frech wie Rotz... Im Sommer ist dir zu heiß und im Winter zu kalt! Für das Höchste, und das ist für uns die Kunst, muss man immer Opfer bringen… Wir opfern uns für einen guten Zweck, Edda. Bis zum Ende müssen wir die größte Leistung erbringen… wir sind wie die Künstler, Edda, wie Künstler! Auch sie müssen zuerst leiden, und dann nach dem Leiden kommt die Vollendung und Erleichterung, solcher Trieb ist auch in uns…
Edda: Der langweiligste Zeitvertreib… ich
will keinen Schweiß mehr riechen!
Albert: Edda! Du bist frech wie Rotz am Ärmel und ungezogen... wie dein Vater, du hast deinen liebsten Bruder immer nur mit Undank belohnt! Siehst du denn nicht, was wir hier schon geschaffen haben? Komm zu mir und stell dich hierhin…
Albert: Edda stellt sich neben ihm, er streichelt sie Edda, wir leben für das Höchste! Daran hängt schon der Schweiß von Generationen! Die Geister treffen aufeinander! Wir sind eine Seele und ein Gedanke.
( ...)
